Marco Tessitori - Als „Chefkoch“ im Rathaus

Engelskirchen. In der Pfanne auf dem Herd geben sich die Cherry-Tomaten der buttrigen Hitze geschlagen – sie zerplatzen. Ein wenig mageren Speck und einen Schuss Rotwein hinzu, schön durchziehen lassen, appetitanregende Düfte in der Küche. „Kochen macht mir Spaß“, sagt Marco Tessitori und fügt dem Sud noch ein wenig Peperoncino hinzu. Heute Abend soll es „Spaghetti Arrabiata“ geben. „Die Idee Bürgermeister zu werden habe ich schon länger im Hinterkopf“, erklärt Tessitori.

Nun sei der richtige Zeitpunkt, denn was in den letzten sechs Jahren vor sich hin schmort sei schon längst gar, wenn nicht sogar verbrannt. Mit einem neuen „Chefkoch“ könnte jedoch noch was gehen. „Für ein solches Amt als Bürgermeister sind Kompetenzen im sozialen Bereich für mich besonders wichtig.“ so Tessitori. „Durch meine unterschiedlichsten beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen, kann ich hier auf zahlreiche und langjährige Erfahrungen zurückgreifen. Dabei ist mir klar, dass man nicht allen und jedem jederzeit alles Recht machen kann. Aufgrund der zeitlichen Belastung im Amt, wird es auch notwendig sein Aufgaben zu delegieren. Hier gilt es der eigenen Verwaltung das Vertrauen zu schenken, denn ohne das Vertrauen in die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht gar nichts.“

Er habe nicht vor, sich als Bürgermeister über die Bürgerinnen und Bürger zu stellen, sondern Ihre Interessen und Belange ins Rathaus zu tragen. „Erster Bürger der Gemeinde zu sein heißt für mich, die Ideen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger wie die Zutaten einer Mahlzeit zu einem perfekten Gericht für die ganze Mannschaft zusammen zu bringen. Im Gegensatz zu der aktuellen Situation, wo vielmehr die besten Zutaten für sich selbst verwendet werden, sehe ich mich zukünftig im Dienst meiner Wählerinnen und Wählern. Für sie, für uns alle, werde ich kochen und das Beste daraus servieren.“, so Tessitori, als er gerade dabei ist die Sauce für die Pasta abzuschmecken.

„Ich bin Feuer und Flamme für die Kommunalpolitik“, sagt Tessitori über sich selbst. Deshalb möchte er gerne als „Vollprofi“ in diesen Bereich wechseln, auch wenn ihm seine jetzigen Tätigkeiten als Berufsschullehrer und pädagogischer Mitarbeiter im Bildungsbüro Oberberg Spaß machen. Von einem 100-Tage-Programm für den Start hält Tessitori nichts: „Das wäre Show“, findet er. Stattdessen sieht der Diplom-Handelslehrer als dringliche Aufgaben für das laufende Jahr zum einen ein integriertes Handlungskonzept für die Gemeindeentwicklung mit klaren, realistischen Schwerpunkten. Zum anderen das angedachte Gewerbegebiet über zwei Gemeindeflächen im Norden so schnell als möglich zu realisieren, um unsere Attraktivität als Wirtschaftsstandort langfristig zu sichern und natürlich viele Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung. Denn gerade hier steckt noch ein großes Potential, welches vermutlich nur Raum zur Entfaltung benötigt.

Nach innen und außen wünscht sich Tessitori eine offene Kommunikation und eine „Kultur des Respekts“. Dies gelte auch bei schwierigen Themen wie der Haushaltssanierung. Hier möchte Tessitori ein langfristiges Entschuldungskonzept mit dem Rat und der Bürgerschaft erarbeiten, welches seiner Meinung nach nur über eine reduzieren der Neuverschuldung dauerhaft zu verwirklichen ist. Andere Kommunen haben erfolgreich einen „Spardialog“ mit ihren Bürgerinnen und Bürgern initiiert – das könne er sich auch in Engelskirchen vorstellen „Ideen habe ich viele für unsere Gemeinde“, diese zu initiieren und los zu legen kann ich kaum erwarten, so Tessitori über seine Vorhaben als Bürgermeister, „dies möchte ich als offener und ehrlicher Bürgermeister angehen“. Die Entscheidung darüber fällen die ca. 16.500 Wahlberechtigten der Gemeinde. „Mit allen Konsequenzen, denn die Bürgerinnen und Bürger müssen die nächsten fünf Jahre mit ihrer Wahl leben. Vermutlich wird die Wahlbeteiligung jedoch leider nicht sehr hoch sein, daher dürfen sich dann die Nichtwähler nach der Wahl auch nicht beschweren.“ Jede Stimme zählt! Denn nur so kann sich ein repräsentatives Ergebnis für unsere Gemeinde ergeben. Daran jedoch, dass er bald den „Kochlöffel“ im Rathaus schwingt, daran könne er sich schnell gewöhnen.